Flüchtlingshilfe

Berufeparcours im Kolping-Jugenhaus in Frankfurt

Heute waren sieben unserer Kolpingsmitglieder im Kolpinghaus Frankfurt, um unbegleiteten jugendlichen Flüchtlingen in verschiedenen Stationen die Materie "Beruf" näher zu bringen. Die Stationen sollen sie an ihre Talente erinnern und sie herausfinden lassen, in welchen Disziplinen sie geschickt oder ungeschickt sind. Was ihnen Spaß macht oder nicht. Die Stationen waren: Bilderrahmen aus Holz bauen, Verbände anlegen, einen Papierwürfel konstruieren, Knöpfe annähen, Elektrokabel richtig verbinden, Draht biegen und Kerzen kreativ gestalten.
Überraschend viele Jugendliche besuchten unser freiwilliges Angebot und widmeten sich voller Motivation ihren Aufgaben. Wir traten sehr offenen und freundlichen jungen Männern gegenüber, sodass die sprachliche Barriere kaum Probleme bereitete. Unerwarteter weise konnten schon viele von ihnen ein wenig deutsch sprechen, ansonsten wurde sich mit englisch, französisch oder Händen und Füßen geholfen.
Am Ende besprachen wir in einer gemeinsamen Runde die vergangenen Runden, um herauszufinden, ob wir die Aktion öfter anbieten sollten. Und das werden wir.

Text und Bilder© Nicolas Schroth

 

Bilder und Zeitungsbericht von Matthias Grünewald:

Klein-Auheim/Frankfurt - Jungen Flüchtlingen eine erste berufliche Orientierung anbieten, das will die Kolpingsfamilie Klein-Auheim. Sie hat dafür zusammen mit einem Jugendberufshilfeträger einen Parcours entwickelt, der nun erstmals in Frankfurt erprobt wurde. Nun soll er auch in Hanau eingesetzt werden. Von Matthias Grünewald

Jean (alle Namen geändert) kommt aus Guinea in Westafrika. Durch die Ebola-Katastrophe hat er einen Großteil seiner Familie verloren. Die Hoffnung auf ein besseres Leben führte ihn nach Deutschland.Seit einigen Monaten hat er eine neue Bleibe im Kolpinghaus in Frankfurt gefunden, einer Erstaufnahmeeinrichtung für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Die Klein-Auheimer Kolpingsfamilie als Teil des katholischen Sozialverbandes zeigt dort Engagement für die Belange der Schwächsten und hat gemeinsam mit dem Jugendberufshilfeträger Gesellschaft für Jugendbeschäftigung (gjb) einen Parcours entwickelt, der jungen Flüchtlingen eine erste berufliche Orientierung anbieten will.

Sieben Stationen präsentieren die ehrenamtlichen Helfer um Stefan Imgram. Jede Station steht für ein Berufsfeld oder ganz spezifische Fertigkeiten. Räumliches Denken fordert die Station, an der Würfel aus einer Schablone geschnitten und zusammengeklebt werden. Kreativität ist bei der Gestaltung einer Kerze verlangt, handwerkliches Geschick beim Biegen von Draht nach einem vorgegebenen Modell oder bei der Installation einer Elektroverbindung, feinmotorische Koordination wird beim Knopfannähen gefordert. Eine Aufgabe, die bei der Parcours-Premiere alle teilnehmenden Jungs mit Bravour lösen. „Wir haben das auch schon zu Hause in Afghanistan gemacht“, erklärt Raschid stellvertretend für die Gruppe. „Gab es ein Loch in der Jacke zu flicken oder eben einen Knopf anzunähen, dann hat uns die Mutter das Nähzeug gegeben mit der Aufforderung, unsere Sachen zu reparieren. Auch das Waschen der Kleidung gehörte dazu.“

Alle Aufgaben des Parcours können ohne große Deutschkenntnisse bewältigt werden. „Das war uns wichtig“, sagt Anita Lemaile, Projektleiterin der gjb. Denn viele der Flüchtlinge sind erst seit kurzer Zeit in Deutschland. Auch für die pädagogische Leiterin der Einrichtung ist der Berufeparcours ein wichtiger und dringend notwendiger Baustein. „Es geht vor allem darum, den jungen Menschen ein Angebot zu machen, mit dem sie ihrem Leben eine Richtung geben können. Während wir, die wir in Deutschland aufgewachsen sind, sehr viel länger Zeit hatten, um festzustellen, welche Fähigkeiten in uns schlummern, müssen die jungen Flüchtlinge nun in kürzester Zeit herausfinden, was sie wollen und was sie können“.

Eine Sichtweise die auch Kemal aus Gambia teilt. „Wir kennen das alles ja nicht“, sagt er. Sein Berufswunsch: Ingenieur oder Arzt. „Mitunter sind die selbst gesteckten Ziele sehr hoch“, sagt Anita Lemaile. Ob diese erreichbar sind, gelte es in weiteren Schritten herauszufinden. Dass die Motivation der Teilnehmer hoch ist, kann die Klein-Auheimer Kolpingsfamilie bestätigen. Sie ist nicht nur vom großen Interesse der Jugendlichen begeistert, sondern auch von der großen Höflichkeit und Freundlichkeit, mit der sie den Betreuern begegneten. „Damit haben sie unsere Herzen geöffnet“, sagt Imgram. Den Parcours bietet die Kolpingsfamilie auch für Hanauer Institutionen an. Interessenten und Organisationen können sich hier an die Pfarrgemeinde St. Peter und Paul in Klein-Auheim wenden.

Quelle: op-online.de (28.01.2016), ©Grünewald

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